Wozu braucht man einen Ferrari in der 30er Zone

    Selbstverständlich steht in der Zucht der meisten Jagdhunderassen die Leistung an oberster Stelle. Über viele Generationen werden immer nur die leistungsstärksten Hunde miteinander verpaart, triebstarke, leistungsorientierte Hunde zu züchten, die auf jeder Prüfung glänzen. Die Konsequenz dieser selektiven Zucht wird vielen zukünftigen Hundebesitzern und letztendlich auch den Hunden zum Verhängnis.  Der Hobbiejäger braucht den Hund wenige Male im Jahr für die Jagd und den Rest der Zeit soll er sich in den Alltag und die Familie integrieren ohne übermäßig nervös oder unausgeglichen zu sein. Der Hund soll mit in die Stadt, der Hund soll mit ins Restaurant, er soll mit in den Urlaub und man möchte auch ganz normal mit ihm spazieren gehen. Hat man dann einen Hund mit hoher Triebigkeit und Leistungsbereitschaft an der Leine, der fiept, herumtänzelt und nervt, dann wird dieser tolle Hund aus der 1a Leistungszucht ganz schnell zum Störfaktor und die Familie ist überfordert und zweifelt irgendwann daran, ob man wirklich die nächsten 10-15 Jahre miteinander verbringen kann. Die ursprüngliche Freude am Hund wird immer kleiner.

    Geht man dann mit diesem Hund gelegentlich zur Jagd und macht das, wofür er denn gezüchtet wurde, so funktioniert auch das nicht mal mehr richtig, denn es brennen sämtliche Sicherungen bei ihm durch. Frust auf ganzer Linie. Nicht selten verbringen dann diese Hunde den größten Teil ihres Lebens in einem Zwinger am Ende des Grundstücks, weil sie einfach nicht in das Familienleben passen. Sehr traurig für jeden Jagdhund, wo sie doch eigentlich so Menschen bezogen sind.

    Jeder Hundeführer sollte sich über die Rasse und die Linie mit der er liebäugelt genau informieren und hier kommt für mich der Bracco Italiano ins Spiel. Arbeitsfreudig und leistungsstark, wenn es gefordert wird, aber nicht maßlos. Leichtführig und gut in den Alltag und in das Familienleben zu integrieren. Somit entsteht eine Partnerschaft fürs Leben, ein funktionierendes Mensch-Hunde Team.

    Der Bracco Italiano ist ursprünglich ein auf Federwild spezialisierter Vorsteher. Diese Spezialisierung auf Federwild haben wir auch immer bei unseren Junghunden während unserer Ausflüge in die Natur feststellen können. Alles was in irgendeiner Form mit Flügeln unterwegs ist, ist hoch interessant und es wird hier schon fleißig vorgestanden. Schnell merkt der junge Bracco Italiano, daß es außer dem Federwild auch andere spannende Wildarten gibt. Raubzeugschärfe sollte man als Jäger nicht unbedingt voraus setzen, doch auch hier gibt es Exemplare, die diese Schärfe zeigen.
    Besonders möchte ich hervor heben, daß ein Bracco Italiano für die Zwingerhaltung absolut ungeeignet ist, er gehört in die Familie ins Haus, ansonsten wird er verkümmern und bei der Jagd nicht die erforderliche Leistung bringen.
    Ist die Jagdsaison zu Ende gehört er nicht in Einzelhaft, sondern er muss mit Kopfarbeit beschäftigt werden und braucht seine körperliche Auslastung. Mit körperlicher Auslastung meine ich nicht den Auslauf im Garten.
    Was die Ausbildung und Erziehung angeht, so muss der Bracco Italiano im Welpenalter beginnend, mit sanften und ermutigenden Mitteln konsequent erzogen werden. Er gilt als spätreif, braucht Geduld und ist nicht in einem Monat fertig.